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Wie lässt sich die Angebotskonzentration bei Rohstoffen messen und welche Datenquellen eignen sich?

Angebotskonzentration bei Rohstoffen messen: HHI und CR4 mit Länderanteilen berechnen, Grenzen der USGS-Daten und getrennte Wertschöpfungsstufen beachten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Für Rohstoffe eignen sich HHI und Konzentrationsrate CR4 auf Basis von Länderanteilen an Förderung, Reserven oder Raffination.
  • Entscheidend ist der Nenner: Bergwerk, Raffination und Reserven sind getrennte Größen.
  • Sammelpositionen wie "Other countries" verhindern einen exakten Länder-HHI.

Zuerst die Wertschöpfungsstufe festlegen

Die Frage nach der Angebotskonzentration bei Rohstoffen lässt sich nur beantworten, wenn klar ist, welche Stufe gemeint ist. Bergwerksförderung, Reserven und Raffination sind unterschiedliche Größen. Die USGS Mineral Commodity Summaries 2026 trennen diese Ebenen ausdrücklich und weisen Kobalt als Gehalt in Tonnen aus.

Für 2025 nennt die USGS eine geschätzte Weltförderung von gerundet 310.000 Tonnen Kobalt. Kongo (Kinshasa) kommt auf 230.000 Tonnen, Indonesien auf 44.000 Tonnen. Reserven und Weltressourcen stehen in eigenen Spalten. Ein Konzentrationsmaß für Förderung lässt sich daher nicht auf Reserven übertragen.

Raffination ist eine weitere Stufe: China ist laut USGS der weltweit größte Produzent von raffiniertem Kobalt. Wer Raffinationskonzentration messen will, braucht Daten zu dieser Stufe, nicht zur Bergwerksförderung. Ebenso trennt die USGS die Reserven nach Ländern, darunter Russland mit 11.800.000 Tonnen und Australien mit 101.700.000 Tonnen. Bergwerksförderung und Reserven messen also unterschiedliche Dinge.

HHI und CR4 richtig berechnen

Die Monopolkommission beschreibt den Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) als Summe der quadrierten prozentualen Umsatzanteile aller Unternehmen eines Marktes. Die Konzentrationsrate CRn addiert die Marktanteile der n größten Anbieter. Auf Rohstoffländer übertragen heißt das: Länderanteile statt Unternehmensanteile.

Das folgende Rechenbeispiel ist eine eigene, fiktive Illustration. Es zeigt nur die Mechanik und darf nicht als offizieller Konzentrationswert gelesen werden.

Schritt Rechenweg Ergebnis im Beispiel
Weltförderung 2025 USGS, gerundet 310.000 t
Anteil Kongo (Kinshasa) 230.000 / 310.000 74,2 %
Anteil Indonesien 44.000 / 310.000 14,2 %
Anteil Russland 7.700 / 310.000 2,5 %
Anteil Madagaskar 3.900 / 310.000 1,3 %
CR4 Summe der vier größten Länderanteile rund 92 %

Theoretisch reicht für eine exakte HHI-Berechnung die Länderliste. Praktisch scheitert sie an der Sammelposition "Other countries" mit 9.100 Tonnen. Diese Position bündelt mehrere Länder. Ihr Quadrat als einzelner Block würde die Konzentration künstlich erhöhen und die Zahl der Länder unterschätzen.

Ein sauberer Weg ist deshalb ein CRn oberhalb der Einzelposten. Alternativ lassen sich die Einzelposten als Untergrenze und die Sammelposition als oberste Einzelposition behandeln. Beide Varianten sollten als Grenzen ausgewiesen werden, nicht als exakter HHI.

Datenquellen und ihre Grenzen

Für Bergwerksförderung, Reserven und Ressourcen ist der USGS Mineral Commodity Summaries die zentrale öffentliche Quelle, weil er Werte in einer einheitlichen Berichtsstruktur und mit Schätzstatus veröffentlicht. Die Monopolkommission bietet die konzeptionelle Grundlage für HHI und CRn. Sie bezieht sich jedoch auf deutsche Unternehmenskonzentration, nicht auf Rohstoffländer.

Wer die Methoden der Monopolkommission auf Rohstoffe überträgt, wendet ein Instrument aus einem anderen Kontext an. Der HHI misst dort Umsatzanteile auf abgegrenzten Märkten. Ein Rohstoff-Länder-HHI beschreibt geografische Förderkonzentration, nicht die Konzentration der Anbieter eines Unternehmensmarktes.

Wichtig ist außerdem die Datenherkunft: Die USGS kennzeichnet Zahlen als geschätzt und revidiert Vorjahreswerte nachträglich. In der Kobalt-Ausgabe betraf das Australien, Kanada und Indonesien. Zeitreihenvergleiche ohne diese Revisionen führen zu falschen Trends.

Für deutsche Nutzer empfiehlt sich eine Kombination: USGS für globale Rohstoffdaten, inländische Statistik und Fachberichte für die Weiterverarbeitung. Ein Abgleich mehrerer Stufen und Jahre ist aussagekräftiger als ein einzelner Indexwert.

Was die Kennzahl nicht leistet

Die Monopolkommission weist darauf hin, dass Konzentrationskennzahlen nicht zwangsläufig mit Wettbewerbsverhalten zusammenhängen. Die Umsatzkonzentration wird zudem nur national und ohne Importe oder Exporte betrachtet. Bei Rohstoffen ist das besonders relevant, weil Förderung und Verbrauch geografisch auseinanderfallen.

Ein hoher Länderanteil kann daher viele Ursachen haben: Geologie, Genehmigungsverfahren, Investitionen oder Nebenprodukt-Führung. Für Kobalt nennt die USGS ein konkretes Beispiel: Die Eagle Mine in Michigan, eine Nickel-Kupfer-Mine, produzierte 2025 kobalt-haltiges Nickelkonzentrat. Zudem liegen die meisten weltweiten Kobaltressourcen laut USGS in Kupfer- und Nickellagerstätten.

Die Kennzahl sollte deshalb nur einen ersten Verdacht auf Konzentration liefern. Für eine Risikoeinschätzung kommen Politik, Infrastruktur, Substitution und Recycling hinzu. Die USGS nennt für 2025 einen Recyclinganteil am US-Verbrauch von 25 Prozent. Das ist ein eigener Versorgungspfad, der in keiner Länderkonzentration der Primärförderung erscheint.

Häufige Fragen

Warum verhindern Sammelpositionen einen exakten HHI? Der HHI benötigt jeden Anteil einzeln. Eine Position "Other countries" bündelt mehrere Länder. Wird sie als ein Wert verrechnet, steigt das Quadrat unzulässig, und die tatsächliche Ländernzahl bleibt unbekannt.

Ist der Rohstoff-Länder-HHI mit dem Wettbewerbs-HHI vergleichbar? Nein. Die Monopolkommission misst Unternehmenskonzentration auf abgegrenzten Märkten. Länderanteile an Förderung messen geografische Verteilung und keine Marktmacht. Die Formel ist ähnlich, die Aussage ist eine andere.

Welche Daten brauche ich für Raffinationskonzentration? Daten zur jeweiligen Verarbeitungsstufe, also Raffinerie-Kapazität oder Produktion von raffiniertem Metall. Bergwerksförderung allein reicht dafür nicht aus, weil die Stufen unterschiedlich verteilt sind.

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