Branchenstrukturen
Unternehmenskonzentration messen: Geeignete Kennzahlen und öffentliche Datenquellen im Überblick
HHI und CR6 richtig lesen: Wie Sie Unternehmenskonzentration mit Daten der Monopolkommission und dem Unternehmensregister abschätzen und Fehlschlüsse vermeiden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- HHI und CR6 messen Umsatzanteile von Unternehmen, aber bei dieser WZ2008-Datenbasis keine echten Märkte.
- Die Monopolkommission klassifiziert nach Haupttätigkeit und ignoriert räumliche und sachliche Marktabgrenzung.
- Das Unternehmensregister liefert nur Größenklassen, keine Marktanteile.
Warum Konzentration überhaupt messen?
Konzentration zeigt, wie stark sich Umsätze in einem Wirtschaftszweig auf wenige Anbieter verteilen. Wer Wettbewerbsrisiken, Verhandlungsmacht oder Regulierungsbedarf einschätzen will, braucht dafür belastbare Zahlen. Öffentliche Quellen liefern solche Zahlen, aber nur auf einer groben Ebene.
Die Daten erklären kein Marktverhalten. Sie zeigen Verteilungen, nicht Ursachen.
HHI und CR6: Definition und Interpretation
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) summiert die quadrierten Umsatzanteile aller Unternehmen eines Bereichs. Der CR6 addiert die Umsatzanteile der sechs größten Anbieter. Beide Maße stammen aus derselben Datenbasis, betonen aber Unterschiedliches.
Der HHI reagiert auf die gesamte Verteilung, der CR6 vor allem auf die Spitze. Ein stärker steigender Median als Mittelwert deutet auf eine Verschiebung innerhalb der Branchen hin, nicht auf einheitliches Wachstum der größten Firmen. Für den Zeitraum 2007 bis 2021 dokumentiert die Monopolkommission, dass der Median gegenüber dem vorherigen Berichtsjahr 2019 um 7,5 Prozent stieg, der gewichtete Mittelwert nur um 2,9 Prozent.
Datenquelle 1: Monopolkommission
Die Monopolkommission analysiert Umsatzkonzentration auf Basis der Wirtschaftszweigklassifikation WZ 2008, disaggregiert auf 4-Steller-Ebene. Das Statistische Bundesamt bereitet die Daten auf.
Diese Quelle ist methodisch offengelegt und langfristig vergleichbar. Sie eignet sich für Zeitreihen und Strukturvergleiche. Für einzelne Geschäftsfelder taugt sie nicht.
Datenquelle 2: Unternehmensregister
Das Statistische Unternehmensregister ordnet Rechtliche Einheiten dem Schwerpunkt ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit zu und weist Umsatzgrößenklassen aus. Im Berichtsjahr 2024 zählte es im Verarbeitenden Gewerbe 5.676 Rechtliche Einheiten mit mindestens 50 Millionen Euro Umsatz. Diese 5.676 Einheiten weist die Tabelle nach Umsatzgrößenklassen aus.
Eine Rechtliche Einheit ist nicht dasselbe wie ein Unternehmen oder ein Konzern. Die Größenklassen zeigen also nur, wie viele Einheiten welche Umsatzspanne erreichen. Marktanteile lassen sich daraus nicht ableiten.
Übersicht: Quellen und ihre Aussagekraft
| Quelle | Kennzahl | Reichweite | Hauptgrenze |
|---|---|---|---|
| Monopolkommission | HHI, CR6 | 4-Steller WZ 2008, national | keine Marktabgrenzung, ohne Importe/Exporte |
| Unternehmensregister | Größenklassen | Wirtschaftsabschnitte | keine Marktanteile, Rechtliche Einheiten |
Typische Fallstricke
Wer Konzentrationszahlen interpretiert, sollte drei Grenzen kennen. Erstens werden Unternehmen nach ihrer Haupttätigkeit eingeordnet. Mischkonzerne erscheinen dadurch nur in einem Zweig. Zweitens fehlt die sachliche und räumliche Marktabgrenzung, weil die Statistik Wirtschaftszweige statt Märkte betrachtet. Drittens berücksichtigt die Umsatzkonzentration nur das Inland und keine Importe oder Exporte.
Ein Beispiel: Ein deutscher Hersteller mit hohem Exportanteil kann in der nationalen Umsatzstatistik klein wirken, obwohl er global einen großen Marktanteil hält. Umgekehrt kann ein importlastiger Sektor national konzentriert erscheinen, obwohl Auslandsanbieter den Wettbewerb prägen. Solche Beispiele sind Illustrationen, keine Messergebnisse.
Für eine belastbare Einschätzung sollten Sie Statistikdaten mit qualitativen Informationen kombinieren: Produktüberschneidungen, regionale Lieferketten und tatsächliche Substitutionsbeziehungen.
Häufige Fragen
Kann ich mit den Daten Marktanteile einzelner Unternehmen berechnen? Nein, weder Monopolkommission noch Unternehmensregister weisen unternehmensspezifische Marktanteile aus. Beide Quellen aggregieren.
Warum ignoriert die Statistik Importe und Exporte? Weil sie Umsätze nach inländischen Wirtschaftszweigen ordnet. Internationale Handelsströme tauchen dort nicht auf.
Eignet sich der CR6 besser als der HHI? Das hängt von der Frage ab. Der CR6 zeigt Oligopolpotenzial an der Spitze, der HHI die gesamte Verteilung.